Ein Milchkarton, ein paar Farben und zehn Minuten später hängt ein Vogelhaus im Garten. Eine leere Konservendose bekommt bunte Streifen und wird zum Stiftehalter, der auf dem Basteltisch steht und allen zeigt: Das hab ich selbst gemacht. Upcycling im Kindergarten braucht kein besonderes Material und keine aufwendige Vorbereitung – es braucht nur den Mut, etwas, das weggeworfen werden würde, noch einmal anzuschauen.
Was dabei entsteht, ist mehr als ein Bastelergebnis. Kinder erleben, dass Dinge einen zweiten Wert haben können. Und das prägt sich ein, ohne dass irgendjemand einen Vortrag über Recycling halten muss.
Was Upcycling im Kita-Alltag bewirkt
Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=-1SGg6_Cycc
Upcycling und Recycling klingen ähnlich, meinen aber Verschiedenes. Beim Recycling wird ein Material zerkleinert und neu verarbeitet – der Plastikbecher wird zu Plastikgranulat, aus dem etwas anderes entsteht. Beim Upcycling bleibt das Objekt selbst erhalten: Die Flasche wird Flasche, bekommt aber eine neue Funktion. Das ist für Kinder greifbarer, weil der Zusammenhang direkt sichtbar ist.
Im Kita-Alltag bringen solche Projekte mehreres auf einmal: Sie fördern die Feinmotorik, wenn Kinder schneiden, kleben und malen. Sie regen die Sprache an, wenn Erzieherinnen und Erzieher beim Basteln über Materialien, Farben und Ideen sprechen. Und sie stärken das Selbstbewusstsein – denn ein Objekt, das man selbst gemacht hat, ist etwas anderes als ein gekauftes Spielzeug.
Materialien sammeln – gemeinsam und mit System

Eine gute Materialsammlung ist der Anfang von allem. Im Kindergarten lässt sich das wunderbar als gemeinsames Projekt gestalten: Eltern werden gebeten, gesammelte Materialien mitzubringen – leere Flaschen, Kartonreste, Korken, Wollreste. Wer mitsammelt, ist schon Teil des Projekts, bevor es angefangen hat.
Was sich bewährt hat:
- Plastikflaschen und Deckel – nach gründlichem Ausspülen für Sparschweine, Rasseln und Mobiles
- Konservendosen – Kanten abkleben, dann bemalen für Stiftehalter oder Blumentöpfe
- Pappkartons und Schuhkartons – für Puppenbühnen, Spielzeugstädte, Häuser
- Klopapier- und Küchenpapierrollen – für Tiere, Raketen, Figuren
- Marmeladengläser – für Windlichter, mit Seidenpapier oder Farbe gestaltet
- Alte Zeitschriften und Zeitungen – für Collagen, Papierperlen, Girlandenstreifen
- Plastik- oder Holzlöffel – für Gartenstecker oder kleine Figuren
- Alte Puzzleteile – für Memory-Spiele oder Mosaikkunst
Zur Sicherheit: Kanten an Dosen und Kartonstücken immer abkleben oder abschleifen. Plastikflaschen vorher gut trocknen lassen. Bei Kindern unter drei Jahren auf kleine Einzelteile verzichten.
11 Upcycling-Projekte für den Kindergarten
- Farbenfrohe Mobiles aus Plastikflaschen – Die oberen Teile von Plastikflaschen werden abgeschnitten, in leuchtenden Farben bemalt und anschließend an Fäden aufgehängt. Das Ergebnis dreht sich im Wind, wirft Farbschatten und macht Kindern sichtbar: Auch aus dem, was aussieht wie Müll, kann etwas Schönes werden.
- Spielzeugstadt aus Pappkartons – Verschiedene Kartons werden bemalt, mit Türen und Fenstern versehen und zusammengestellt. Eine Stadt entsteht, die Kinder selbst entworfen haben – mit Läden, Häusern, vielleicht einem Krankenhaus und einem Bahnhof. Besonders schön: Jedes Kind kann sein eigenes Gebäude gestalten.
- Bilderbuch aus alten Zeitschriften – Bilder aus Zeitschriften werden ausgeschnitten, neu zusammengestellt und aufgeklebt. Die Kinder erfinden die Geschichten dazu – was passiert auf dem Bild, warum ist der Tiger neben dem Hochhaus, wer wohnt in dem kleinen roten Haus? Das fördert Sprache und Fantasie gleichzeitig.
- Stiftehalter aus Konservendosen – Sorgfältig gereinigte Dosen werden mit bunten Farben, Papierstreifen oder Wolle gestaltet. Jedes Kind macht seinen eigenen Stiftehalter – und nimmt ihn am Ende mit nach Hause, wo er tatsächlich benutzt wird.
- Tiermasken aus Papptellern – Pappteller werden bemalt, mit Ohren und Schnauze aus Karton ergänzt und mit einem Gummiband versehen. Ob Fuchs, Eule oder Frosch – die Auswahl gehört den Kindern. Mit den fertigen Masken lässt sich sofort ein kleines Theaterstück spielen.
- Regenbogen-Girlande aus alten Zeitungen – Zeitungsseiten werden in lange, bunte Streifen geschnitten, an einer Schnur befestigt und fertig ist eine Girlande für den Gruppenraum. Kinder, die noch nicht so gut schneiden können, reißen die Streifen einfach – das klappt genauso gut.
- Rasseln aus Plastikflaschen – Eine Handvoll Reis oder getrocknete Bohnen in eine kleine Plastikflasche, Deckel fest schließen, Flasche bemalen – fertig ist ein Instrument. Beim Musikmachen danach braucht kein Kind noch erklärt zu kriegen, was drin steckt.
- Puppenbühne aus einem großen Karton – Ein großer Versandkarton wird aufgeschnitten, dekoriert und erhält einen Bühnenausschnitt. Die Kinder spielen dahinter mit selbst gebastelten oder mitgebrachten Figuren. Eine Puppenbühne, die sich eine Gruppe gemeinsam gebaut hat, wird mit anderem Ernst bespielt als eine gekaufte.
- Gartenstecker aus alten Löffeln – Alte Plastik- oder Holzlöffel werden bemalt und mit Pflanzennamen beschriftet. Im Frühling kommen sie ins Kita-Beet, um zu zeigen, was wo gepflanzt wurde. Wer seinen eigenen Stecker wiederfindet, passt automatisch besser auf das auf, was darunter wächst.
- Windlichter aus Marmeladengläsern – Gläser werden mit buntem Seidenpapier beklebt oder direkt bemalt, eine Teelichter- oder LED-Kerze hinein – und schon verändert sich die Stimmung im Raum. Windlichter, die Kinder selbst gemacht haben, leuchten beim Herbstfest oder der Laternen-Wanderung besonders schön.
- Memory aus alten Puzzleteilen – Aus unvollständigen Puzzles werden gleich große Kartonpaare ausgeschnitten. Die Kinder malen auf je zwei Karten dasselbe Bild – Tier, Blume, Fahrzeug – und haben ein Memory-Spiel, das komplett aus ihrer Hand stammt.
Planung und Vorbereitung im Kita-Alltag

Ein gut vorbereitetes Bastelprojekt läuft ruhiger ab als eines, das ad hoc entsteht. Materialien vorher sortieren und in Portionen aufteilen spart Zeit während der Einheit. Werkzeuge – Scheren, Klebestifte, Pinsel, Farben – für jedes Kind bereitstellen, statt sie in der Mitte zu stapeln.
Sinnvoll ist auch, den Ablauf in der Gruppe kurz vorzustellen: Was machen wir heute, woraus entsteht was? Ein kurzes Zeigen des fertigen Beispiels – nicht um es nachzubauen, sondern um eine Richtung zu geben – reicht. Dann die Kinder loslassen. Ergebnisse, die von der Vorlage abweichen, sind oft die interessanteren.
Am Ende einer Bastelsession eine kurze Präsentation einzuplanen – jedes Kind zeigt, was entstanden ist – stärkt das Selbstbewusstsein und schafft Anerkennung in der Gruppe.
Naturmaterialien und saisonale Projekte einbinden

Ein Spaziergang in den Wald oder Park kann der Anfang eines Projekts sein. Kinder sammeln Steine, Tannenzapfen, Blätter, Äste, Moosflecken – und schleppen ihre Beute in die Kita. Was daraus wird, entscheiden sie dann selbst oder in kleinen Gruppen.
Bemalte Steine als Wettersteine im Frühling, Tannenzapfen-Eulen im Herbst, Sternschnuppen aus Zweigen und Goldfarbe im Advent, Blattcollagen als Wanddekoration – saisonale Projekte geben dem Kita-Jahr eine Struktur, die Kindern bekannt ist und auf die sie sich freuen können.
Sprachförderung durch Basteln – was nebenher passiert

Basteln ist nie nur Basteln. Während Kinder schneiden, kleben und malen, reden sie – über das, was sie machen, was nicht klappt, was sie sich vorstellen. Erzieherinnen und Erzieher, die mitarbeiten und Fragen stellen, können dabei gezielt Wortschatz aufbauen: Was ist das für ein Material? Wie fühlt es sich an? Was wird daraus?
Neue Begriffe – rau, glatt, stabil, transparent, kompostierbar – finden ihren Weg in das Gespräch, ohne dass es wie Unterricht wirkt. Kinder, die mehrsprachig aufwachsen, profitieren besonders davon, dass Sprache und konkretes Handeln dabei direkt verknüpft sind.
Wer noch mehr Ideen für Upcycling mit Kindern sucht, findet im Artikel über Upcycling-Projekte mit Kindern eine weitere Liste mit 11 anderen Projekten und einer ausführlichen Schritt-für-Schritt-Anleitung für das Sparschwein aus der Plastikflasche. Wer die Ideen auch für ältere Kinder und Anfänger weiterentwickeln möchte, findet im Beitrag über Upcycling-Projekte für Anfänger weitere Ansätze.
Was Kinder im Kindergarten mit ihren Händen gemacht haben, vergessen sie nicht so schnell. Das Vogelhaus aus dem Milchkarton, das Windlicht aus dem Marmeladenglas, die Rassel, die noch wochenlang benutzt wird – das sind keine Bastelergebnisse. Das sind kleine Beweise dafür, dass aus nichts etwas werden kann.
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