Gesichtspflege ohne Plastik – das klingt nach Verzicht, ist es aber nicht. Die Plastikflasche mit der Tagescreme lässt sich durch einen Glastiegel ersetzen, der genauso gut aussieht und länger hält. Das Reinigungsgel in der Kunststofftube durch einen festen Reinigungsbar, der ohne jede Verpackung auskommt. Wer einmal angefangen hat, genauer hinzuschauen, merkt: Die Alternativen sind da. Man muss sie nur kennen.
Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=UQByMzm0A-I
Warum Verpackung in der Kosmetik ein Problem ist
Kosmetikprodukte gehören zu den plastikintensivstes Konsumgütern überhaupt. Eine durchschnittliche Person verbraucht jährlich zwischen 10 und 15 Kosmetikflaschen, Tuben und Tiegel – fast ausschließlich aus Kunststoff, oft aus mehreren verschiedenen Kunststoffarten, die nicht sortenrein getrennt werden können. Das Ergebnis: Sondermüll im Gelben Sack oder im Restmüll.
Dazu kommt das Thema Mikroplastik. Es steckt nicht nur in Peeling-Produkten als sichtbare Partikel, sondern auch als Filmbildner, Verdicker und Emulgatoren in vielen Cremes, Lippenstiften und Mascaras. Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) hat 2023 eine schrittweise Beschränkung von bewusst zugesetztem Mikroplastik in Kosmetika beschlossen – bis 2030 soll ein Großteil davon vom Markt verschwinden. Bis dahin lohnt sich ein Blick auf die INCI-Liste.
Feste Produkte – weniger Verpackung, oft besser formuliert

Feste Kosmetikprodukte sind die direkteste Antwort auf das Verpackungsproblem. Sie kommen ohne Kunststoff aus – Papier, Karton oder gar keine Verpackung reicht. Und sie haben strukturell einen weiteren Vorteil: Sie enthalten keinen Wasseranteil, der sonst in flüssigen Produkten den Hauptteil des Volumens ausmacht. Das bedeutet: mehr Wirkstoff pro Gramm, längere Haltbarkeit, weniger Transportgewicht.
Feste Reiniger (Cleansing Bars) – unterscheiden sich von normaler Körperseife durch ihre milderen Tenside und einen auf das Gesicht abgestimmten pH-Wert. Sie reinigen ohne auszutrocknen, kommen ohne Konservierungsmittel aus und halten in der Regel länger als eine gleichgroße Flasche Reinigungsgel.
Feste Feuchtigkeitscremes und Balsame – konzentrierte Formulierungen aus Sheabutter, Bienenwachs oder pflanzlichen Wachsen, die durch Körperwärme flüssig werden und sich gut auftragen lassen. Besonders geeignet für trockene und sehr trockene Haut.
Feste Masken und Peelings – Pulvermasken aus Tonerde oder Haferflocken, die mit Wasser angemischt werden. Vorteil: keine Konservierungsmittel nötig, lange Haltbarkeit, kein Plastik.
Verpackungsalternativen – was besser ist als Plastik
Wer flüssige Produkte bevorzugt, findet zunehmend Alternativen zur Plastikflasche. Nicht alle sind gleich gut – ein kurzer Überblick:
Glas – zu 100 Prozent recyclebar, geschmacksneutral, kein Mikroplastik-Abrieb. Nachteil: schwerer, zerbrechlicher. Gut geeignet für Cremes, Öle, Seren.
Aluminium – leicht, robust, gut recyclebar (Aluminium kann theoretisch unbegrenzt recycelt werden). Gut für Tuben, Dosen und Spraydosen. Achtung: Manche Aluminiumverpackungen haben Kunststoffbeschichtungen innen – nicht immer recyclebar.
Nachfüllsysteme – einige Marken bieten Nachfüllpäckchen oder -pouch aus dünnem Kunststofffilm an, die deutlich weniger Material verbrauchen als die Originalflasche. Nicht perfekt, aber besser als immer neue Vollpackungen.
Pappe und Karton – für Puder, feste Seifen, Tabletten. Gut recyclebar, sofern keine Kunststoffbeschichtung.
| Verpackung | Recyclierbarkeit | Gewicht | Für welche Produkte geeignet |
|---|---|---|---|
| Glas | 100% recyclebar | Schwer | Cremes, Öle, Seren |
| Aluminium | Gut (wenn unbeschichtet) | Leicht | Tuben, Dosen, Sprays |
| Karton / Papier | Gut (wenn unbeschichtet) | Sehr leicht | Feste Produkte, Pulver |
| Nachfüllpouch | Eingeschränkt | Sehr leicht | Flüssige Produkte als Refill |
| Kunststoff (PE, PP) | Bedingt recyclebar | Leicht | Fast alles – aber Probleme beim Recycling |
Marken und Produkte – die bereits recherchierten Beispiele

Die folgenden Marken und Produkte wurden bereits auf ihre Eignung recherchiert:
- Weleda
- Breite Palette an Naturkosmetik ohne Mikroplastik
- Produkte: Duschgel, Shampoo, Körperöle, Sonnenschutz
- NATRUE-zertifiziert, aus natürlichen Bio-Rohstoffen
- ERUi Naturkosmetik
- Spezialisierung auf Bio-Gesichtspflege
- Keine Plastikverpackung, kein Mikroplastik, keine Tierversuche
- Biologisch abbaubare Verpackung, natürliche Inhaltsstoffe wie Arganöl und Granatapfelöl
- BINU Aktivkohle-Peeling
- Veganes Gesichtspeeling mit Aktivkohle und Bambus
- Plastikfrei, besonders geeignet für fettige Haut
- GREENDOOR Naturkosmetik
- Plastikfreie Kosmetik in fester Form (Dusch-Bars, Deo-Bars)
- Verpackt in recycelbarem Papier oder Pappe
- Flüssige Produkte in Metalldosen oder Glasbehältern
- myrto Bio-Gesichtspflege
- 100% vegane Produkte ohne Duftstoffe, Alkohol oder Silikone
- Zertifizierungen: NATRUE, BDIH, COSMOS und Ecocert
- Enthält natürliche Pflanzenextrakte
- ECOALF Wellness
- Kosmetik in nachfüllbaren Aluminiumbehältern
- Pflanzlich, vegan und ohne Tierversuche
„Die Angaben zu Produkten und Verpackungen können sich ändern. Es empfiehlt sich, vor dem Kauf die aktuelle Produktseite des Herstellers zu prüfen – nicht alle Produkte einer Marke sind zwingend plastikfrei.“
Inhaltsstoffe: Was in plastikfreier Naturkosmetik steckt
Plastikfrei bedeutet nicht automatisch besser für die Haut. Naturkosmetik kann allergene ätherische Öle enthalten, und „natürlich“ ist kein Qualitätsmerkmal für Hautverträglichkeit. Was zählt, sind die konkreten Inhaltsstoffe.
Häufige Wirkstoffe in Naturkosmetik:
- Hyaluronsäure – bindet Feuchtigkeit in der Haut; kann aus pflanzlicher Fermentation stammen (vegan) oder aus tierischen Quellen
- Rosehip Oil / Hagebuttenöl – reich an Fettsäuren, gut für trockene und reife Haut; in Glasflaschen erhältlich
- Aloe Vera – kühlt, beruhigt; häufig als Gel in Glasverpackung
- Sheabutter – intensiv pflegend, unverarbeitet in Gläsern erhältlich
- Tonerde / Kaolin – für Peelings und Masken, kommt als Pulver in Papierverpackung
- Jojobaöl – leicht, nicht komedogen (verstopft Poren nicht), für fast alle Hauttypen geeignet
Was nicht in guter Naturkosmetik steckt: Paraffine (Erdölderivate), Silikone (Dimethicone, Cyclomethicone), synthetische Duftstoffe (Parfum ohne weitere Angabe), Parabene als Konservierungsmittel, PEG-Verbindungen als Emulgatoren.
Zertifizierungen – welche verlässlich sind

In der Naturkosmetik gibt es mehrere Zertifizierungssysteme, die unterschiedliche Standards setzen:
- NATRUE – eines der strengsten Naturkosmetiksiegel; schreibt vor, dass Rohstoffe natürlichen Ursprungs sind und synthetische Duftstoffe, Paraffine und PEG-Verbindungen ausgeschlossen sind
- BDIH – deutsches Siegel für kontrollierte Naturkosmetik; ähnliche Anforderungen wie NATRUE, etwas anders definiert
- COSMOS/Ecocert – europäischer Standard, unterteilt in COSMOS Natural und COSMOS Organic; letzterer schreibt einen Mindestanteil zertifizierter Bio-Rohstoffe vor
- Leaping Bunny / PETA cruelty free – kennzeichnet Produkte ohne Tierversuche; unabhängig vom Naturkosmetikanteil
- Vegan Society – zertifiziert Produkte ohne tierische Inhaltsstoffe und ohne Tierversuche
Kein Siegel garantiert Plastikfreiheit der Verpackung – das sind getrennte Themen. Wer beides will, schaut auf Siegel plus Verpackungsangabe.
Schritt für Schritt umstellen
Der einfachste Weg: beim Verbrauch eines Produkts nicht dasselbe nachkaufen, sondern die plastikfreie Alternative wählen. Wer mit allem auf einmal anfängt, kauft Produkte, die noch gar nicht aufgebraucht sind – das ist weder ökologisch noch sinnvoll.
Gute erste Schritte:
- Gesichtsreiniger: festen Cleansing Bar statt Reinigungsgel in der Tube
- Wattepads: wiederverwendbare Wattepads aus Baumwolle statt Einwegpads
- Feuchtigkeitspflege: Glastiegel oder Aluminiumdose statt Plastiktube
- Peeling: Zuckerpeeling selbst gemacht (Zucker + Olivenöl) oder Tonerde-Pulver aus Papierverpackung
- Gesichtsöl: Hagebuttenöl oder Jojobaöl in Glasflasche – vielseitig einsetzbar
Wer sein gesamtes Badezimmer plastikärmer gestalten möchte, findet im Artikel über das Zero-Waste-Badezimmer einen umfassenden Überblick über alle Bereiche. Wer einen minimalistischeren Ansatz zur Gesichtspflege sucht – weniger Produkte, einfachere Routinen – findet im Beitrag Minimalistisch und bewusst leben einen passenden Rahmen.
Plastikfreie Gesichtspflege ist kein Kompromiss zwischen Wirksamkeit und Umwelt. Wer die richtigen Produkte für seinen Hauttyp findet, merkt keinen Unterschied zur konventionellen Pflege – außer dass der Recyclingmüll weniger wird und die INCI-Liste kürzer.
Häufige Fragen
Letzte Aktualisierung am 3.08.2026 / Affiliate Links* / Bilder* von der Amazon Product Advertising API, ebenso Artikelbeschreibungen und Preise - keine Gewähr / Platzierung nach Amazonverkaufsrang



































