Archiv-Nachbericht | Bremen, 2012
Hinweis der Redaktion: Dieser Beitrag dokumentiert rückblickend die „BREMER IDEE für RIO+20“, eine Bremer Bürgerinitiative im Umfeld der UN-Nachhaltigkeitskonferenz Rio+20 und des Wissenschaftsjahres 2012 „Zukunftsprojekt ERDE“. Die ursprüngliche Seite war als Fotogalerie angelegt. Da die damaligen Bilddateien nicht mehr vorliegen, wird das Projekt hier anhand noch verfügbarer zeitgenössischer Veröffentlichungen in Textform vorgestellt. Es handelt sich nicht um die unveränderte Originaldokumentation.
Wie lässt sich eine nachhaltige Zukunft gestalten, wenn die großen Entscheidungen scheinbar weit entfernt auf internationalen Konferenzen getroffen werden? Eine Antwort darauf gab es 2012 auch in Bremen. Unter dem Namen „BREMER IDEE für RIO+20“ wurde für eine Form des Bürgerengagements geworben, die Schulen, öffentliche Diskussionen und die Verantwortung jedes Einzelnen miteinander verband.
Die Initiative stand im zeitlichen Umfeld der UN-Konferenz über nachhaltige Entwicklung, die vom 20. bis 22. Juni 2012 in Rio de Janeiro stattfand. Zwanzig Jahre nach dem ersten großen Erdgipfel von 1992 diskutierte die internationale Gemeinschaft erneut über Umwelt, wirtschaftliche Entwicklung und die Zukunft des Planeten.
Während in Brasilien Regierungen verhandelten, ging es der Bremer Initiative darum, Nachhaltigkeit auch vor Ort sichtbar und verständlich zu machen: durch Gespräche, Symbole und Beteiligungsmöglichkeiten für Bürgerinnen und Bürger.
Was war die „BREMER IDEE für RIO+20“?
Die „BREMER IDEE für RIO+20“ war ein bürgerschaftlicher Beitrag zur Diskussion über nachhaltige Entwicklung im Jahr 2012.
Eng verbunden war sie mit Erich K. H. Kalkus, einem pensionierten Bremer Lehrer, der sich im Rahmen der BAKI-Schule beziehungsweise der Bremer Bürgerinitiative für Kinder mit Fragen der Bildung, des Friedens und der gesellschaftlichen Beteiligung beschäftigte.
In zeitgenössischen Veröffentlichungen verband Kalkus die Initiative mit dem englischen Leitgedanken „School for a Better World“ – Schule für eine bessere Welt.
Dahinter stand die Vorstellung, dass nachhaltige Entwicklung nicht allein eine Aufgabe internationaler Konferenzen oder politischer Institutionen sein sollte. Auch Schulen und Bürgerinnen und Bürger können Ideen einbringen, Verantwortung übernehmen und öffentliche Diskussionen anstoßen.
Ein wichtiges Symbol der Initiative war der „Bremer Schultisch zur Agenda 21“. Er sollte einen Ort des Gesprächs darstellen und zugleich dazu ermutigen, Vorschläge für eine lebenswerte Zukunft zu entwickeln.
Rio+20: Warum das Jahr 2012 für Nachhaltigkeit so wichtig war
Die Konferenz Rio+20 fand zwanzig Jahre nach der UN-Konferenz über Umwelt und Entwicklung von 1992 statt. Bereits auf dem ersten Erdgipfel war mit der Agenda 21 ein internationales Aktionsprogramm für nachhaltige Entwicklung auf den Weg gebracht worden.
Im Jahr 2012 standen erneut grundlegende Zukunftsfragen im Mittelpunkt. Dazu gehörten der Übergang zu einer umweltverträglicheren Wirtschaftsweise, die Bekämpfung von Armut und die Verbesserung internationaler Strukturen für nachhaltige Entwicklung.
Die Diskussion beschränkte sich dabei nicht auf die internationale Politik. Auch in Deutschland fanden zahlreiche Veranstaltungen und Bürgeraktionen statt, die den Nachhaltigkeitsgedanken aufgriffen.
Das Wissenschaftsjahr 2012 „Zukunftsprojekt ERDE“ widmete sich ausdrücklich der Frage, wie Wissenschaft und Gesellschaft zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen können.
Damit erhielt die Bremer Initiative einen passenden zeitgeschichtlichen Rahmen: Die Zukunft der Erde sollte nicht nur wissenschaftlich untersucht und politisch verhandelt, sondern auch öffentlich diskutiert werden.
Der Bremer Schultisch zur Agenda 21
Ein zentrales Element der „BREMER IDEE für RIO+20“ war der sogenannte Bremer Schultisch zur Agenda 21.
Nach den erhaltenen Veröffentlichungen von Erich K. H. Kalkus handelte es sich dabei um eine Nachbildung einer „Vorschlagskiste für alle“, die auch unter der Abkürzung „Bremer VOKI“ beschrieben wurde.
Die Idee einer solchen Vorschlagskiste reichte bereits in das Jahr 2002 zurück. Damals war ein entsprechendes Denkmodell im Zusammenhang mit einer Ausstellung im Landesinstitut für Schule in Bremen vorgestellt worden.
Der Schultisch griff dieses Prinzip erneut auf: Ideen sollten gesammelt und möglichst vielen Menschen zugänglich gemacht werden.
Die Bezeichnung „Agenda 21“ stellte dabei eine Verbindung zur internationalen Nachhaltigkeitsdiskussion her.
Der Bremer Schultisch war damit nicht nur ein Gegenstand, sondern vor allem ein Symbol für Mitsprache und Verantwortung.
Die Bremer Schultaube als Zeichen für Frieden und Verantwortung
Ein weiteres wiederkehrendes Symbol in den zeitgenössischen Berichten ist die „Bremer Schultaube“.
Sie wurde im Zusammenhang mit Friedensinitiativen, der Bremer Integrationswoche und der Idee einer Schule erwähnt, in der gesellschaftliche Verantwortung eine wichtige Rolle spielt.
Nach einem Bericht von Kalkus vom Juli 2012 stand die Bremer Schultaube außerdem im Zusammenhang mit der Eröffnung der sechsten Umwelt-Olympiade am 17. Juni 2012.
Die Verbindung von Frieden, Bildung und Nachhaltigkeit war für die Initiative von Bedeutung. Denn nachhaltige Entwicklung wurde hier nicht nur als Frage des Umweltschutzes verstanden.
Auch ein friedliches gesellschaftliches Zusammenleben, gegenseitiger Respekt und die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen gehörten zum thematischen Umfeld der Aktion.
Öffentliche Gespräche auf dem Bremer Marktplatz
Eine besonders konkrete Form der Beteiligung wurde für September 2012 angekündigt.
Erich K. H. Kalkus lud zu Gesprächen am „Bremer Schultisch zur Agenda 21“ auf dem Bremer Marktplatz ein.
Als Treffpunkt wurden die drei Fahnenstangen vor dem Haus der Bremischen Bürgerschaft genannt. Die Gespräche sollten jeweils um 11:55 Uhr beginnen.
In einer Veröffentlichung vom 23. September 2012 wurde der Zeitraum bis zum 3. Oktober 2012 angegeben.
Der Bremer Marktplatz bot dafür einen symbolträchtigen Ort. Vor dem Rathaus und in der Nähe des Bremer Roland konnte die Initiative an einem zentralen öffentlichen Platz auf Fragen der Nachhaltigkeit aufmerksam machen.
Mit dem Motto „School for a Better World“ sollte die Bremer Idee für Rio+20 veranschaulicht und zur Diskussion gestellt werden.
Die erhaltenen Ankündigungen dokumentieren die geplanten Gespräche und den öffentlichen Aufruf. Wie viele Menschen insgesamt daran teilgenommen haben und welche konkreten Ergebnisse aus sämtlichen Gesprächen hervorgingen, lässt sich anhand der derzeit verfügbaren Quellen nicht abschließend feststellen.
Welche Rolle spielte die Schule bei der Bremer Idee?
Bildung war einer der zentralen Gedanken der Initiative.
Der Ansatz ging über die Vermittlung von Fachwissen hinaus. Schule wurde als Ort verstanden, an dem Kinder und Jugendliche lernen können, gesellschaftliche Probleme zu erkennen und eigene Ideen für Verbesserungen zu entwickeln.
Die Bremer Initiative verband diesen Gedanken mit bürgerschaftlichem Engagement.
Eine „Schule für eine bessere Welt“ sollte nach dieser Vorstellung nicht ausschließlich auf politische Entscheidungen warten, sondern durch Fragen, Vorschläge und gemeinsame Aktionen zur Gestaltung der Zukunft beitragen.
Der Bremer Schultisch und die Vorschlagskiste standen sinnbildlich für diese Beteiligung.
„Abfall ist Rohstoff“ – ein Nachhaltigkeitsgedanke aus dem Jahr 2012
Ein weiterer Gedanke, der in der damaligen Selbstdokumentation der Initiative auftauchte, lautete: „Abfall ist Rohstoff“.
Damit wurde auf eine grundlegende Frage nachhaltigen Wirtschaftens aufmerksam gemacht: Wie können Materialien länger genutzt werden, anstatt sie nach einmaligem Gebrauch zu entsorgen?
Das Thema passte unmittelbar zum Wissenschaftsjahr 2012. Dort spielten Ressourcenverbrauch, nachhaltiger Konsum und der verantwortungsvolle Umgang mit Rohstoffen eine wichtige Rolle.
Aus heutiger Sicht lässt sich darin eine Verbindung zu den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft erkennen.
Die Idee, Rohstoffe möglichst lange im Wirtschaftskreislauf zu halten, ist inzwischen ein wichtiger Bestandteil der Nachhaltigkeitsdiskussion.
Die Bremer Initiative griff damit ein Thema auf, das weit über das Jahr 2012 hinaus Bedeutung besitzt.
Verbindung zum Wissenschaftsjahr „Zukunftsprojekt ERDE“
Das Wissenschaftsjahr 2012 stand unter dem Leitmotiv „Zukunftsprojekt ERDE“.
Getragen wurde es vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und der Initiative Wissenschaft im Dialog.
Im Mittelpunkt standen drei grundlegende Fragen:
- Wie wollen wir in Zukunft leben?
- Wie können Wirtschaft und Gesellschaft nachhaltiger gestaltet werden?
- Wie lässt sich unsere Umwelt für zukünftige Generationen bewahren?
Mit zahlreichen Veranstaltungen, Aktionen und Informationsangeboten sollte die Diskussion über nachhaltige Entwicklung in die Öffentlichkeit getragen werden.
Die „BREMER IDEE für RIO+20“ lässt sich in diesen zeitlichen und thematischen Zusammenhang einordnen. Die Initiative bezeichnete sich selbst als Bürgerbeitrag zum Zukunftsprojekt Erde und setzte auf Beteiligung statt auf reine Wissensvermittlung.
Die erhaltenen Quellen belegen damit insbesondere den bürgerschaftlichen Charakter der Aktion. Eine formelle Trägerschaft oder offizielle Projektpartnerschaft mit dem Wissenschaftsjahr wird damit nicht behauptet.
Was ist von der „BREMER IDEE für RIO+20“ geblieben?
Die internationale Konferenz Rio+20 liegt inzwischen viele Jahre zurück. Doch die grundlegenden Themen sind weiterhin aktuell.
Der Umgang mit natürlichen Ressourcen, die Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern und die Bedeutung von Bildung für nachhaltige Entwicklung beschäftigen Politik und Gesellschaft bis heute.
Die Bremer Initiative ist ein Beispiel dafür, wie internationale Nachhaltigkeitsfragen auf eine lokale Ebene übertragen werden können.
Anstatt ausschließlich über weltweite Probleme zu sprechen, sollten öffentliche Gespräche und konkrete Symbole wie der Bremer Schultisch zur Beteiligung anregen.
Auch die Verbindung von Bildung, Frieden und Nachhaltigkeit bleibt relevant. Nachhaltige Entwicklung betrifft schließlich nicht nur ökologische Fragen, sondern ebenso das Zusammenleben der Menschen und den verantwortungsvollen Umgang mit gemeinschaftlichen Ressourcen.
Warum dieser Archiv-Nachbericht die frühere Fotogalerie ersetzt
Die ursprüngliche Veröffentlichung zur „BREMER IDEE für RIO+20“ war unter der Rubrik Fotogalerie erreichbar.
Die damaligen Fotos stehen für diese Wiederveröffentlichung nicht mehr zur Verfügung. Eine Rekonstruktion der Bilder oder eine genaue Beschreibung einzelner nicht mehr vorhandener Aufnahmen wäre daher nicht zuverlässig möglich.
Um den historischen Hinweis auf das Projekt dennoch zu erhalten, wurde die frühere Adresse als textbasierte Archivseite neu aufbereitet.
Der vorliegende Nachbericht stützt sich auf erhaltene Veröffentlichungen aus dem Jahr 2012, darunter Dokumentationen und Ankündigungen der BAKI-Schule sowie Informationen zum Wissenschaftsjahr „Zukunftsprojekt ERDE“.
Die Seite dient damit der historischen Einordnung und Bewahrung des Projekthinweises. Sie erhebt keinen Anspruch, eine vollständige Fotodokumentation oder einen wortgetreuen Originalbericht wiederzugeben.
Fazit: Eine lokale Bürgeridee mit einem weltweiten Anliegen
Die „BREMER IDEE für RIO+20“ verband im Jahr 2012 internationale Nachhaltigkeitsthemen mit bürgerschaftlichem Engagement in Bremen.
Mit dem Bremer Schultisch zur Agenda 21, dem Leitgedanken „School for a Better World“ und öffentlichen Gesprächsangeboten wurde der Versuch unternommen, Bürgerinnen und Bürger an der Diskussion über eine nachhaltige Zukunft zu beteiligen.
Die Initiative zeigt beispielhaft, dass globale Herausforderungen auch auf lokaler Ebene aufgegriffen werden können.
Ob auf einer internationalen Konferenz, in einer Schule oder an einem öffentlichen Platz: Die Frage, wie Menschen verantwortungsvoll miteinander und mit natürlichen Ressourcen umgehen, bleibt eine gemeinsame Aufgabe.
Dieser Archiv-Nachbericht soll an den Bremer Bürgerbeitrag aus dem Jahr 2012 erinnern und die damals formulierten Gedanken auch ohne die ursprünglichen Fotografien zugänglich halten.





























