November, draußen grau, der Garten eingeschlafen – und trotzdem Feldsalat ernten, Schnittlauch abschneiden, Radieschen aus dem Beet ziehen. Wer ein Gewächshaus hat, muss nicht auf dieses Privileg verzichten. Ein Glashaus oder Folientunnel verlängert die Saison an beiden Enden und macht den Winter zu einer echten Anbauzeit.
Das Geheimnis liegt weniger in aufwändiger Technik als in der richtigen Pflanzenauswahl. Viele Gemüsesorten sind robuster als gedacht – sie brauchen kein beheiztes Glaspalast, sondern nur Schutz vor den extremsten Bedingungen: anhaltenden Minusgraden, Starkwind und Dauernässe. Das schafft selbst ein einfaches Kaltwarmgewächshaus aus Folie.
Was man im Winter im Gewächshaus pflanzen kann
Die Antwort auf diese Frage ist erfreulich lang. Von frosthartem Wintergemüse über Kräuter bis zu Frühblühern – die folgende Tabelle zeigt, was im Gewächshaus zwischen Herbst und März wächst:
| Gemüse | Aussaatzeitraum | Erntezeitraum | Besonderheiten und Eignung für das Gewächshaus im Winter |
|---|---|---|---|
| Feldsalat | August – Oktober | November – Januar | Sehr frosthart, wächst langsam, ideal für kühle Temperaturen. Perfekt für unbeheizte Gewächshäuser. |
| Winterportulak | September – Oktober | Wintermonate | Extrem frostresistent, wächst auch bei wenig Licht. Ideal für kalte und dunkle Wintertage. |
| Spinat | September – Oktober | Wintermonate | Kurze Vegetationszeit, nachwachsend bei Ernte einzelner Blätter. Gut geeignet für zeitversetzte Aussaat. |
| Grünkohl | Juli – August | Wintermonate | Frost verbessert den Geschmack, sehr kältetolerant. Im Gewächshaus besser geschützt vor starkem Wind. |
| Rosenkohl | Mai – Juni | Spätherbst – Winter | Benötigt Zeit zum Wachsen, bleibt im Gewächshaus länger erntefähig und ist vor extremem Frost geschützt. |
| Chinakohl | Juli – August | Herbst – Winter | Bildet lockere Köpfe, verträgt leichten Frost. Im Gewächshaus vor Dauerfrost geschützt. |
| Radieschen | Januar – Oktober | 4-6 Wochen nach Aussaat | Schnell wachsend, ideal für zeitversetzte Aussaat im Winter. Braucht keine Heizung im Gewächshaus. |
| Rote Bete | April – Juni | Herbst – Winter | Kann im Boden überwintern, frosthart. Im Gewächshaus besser geschützt vor zu viel Nässe und Frostschäden. |
| Winterkresse | September – Oktober | Wintermonate | Schnell wachsend, robust bei niedrigen Temperaturen. Perfekt für frische Ernten im Winter. |
| Lauch (Porree) | April – Mai | Herbst – Winter | Kann den ganzen Winter über im Boden bleiben, frostresistent. Im Gewächshaus weniger anfällig für Frostschäden. |
| Schwarzwurzeln | April – Juni | Herbst – Winter | Langsam wachsend, kann im Boden überwintern. Im Gewächshaus besser vor Bodenfrost geschützt. |
| Pastinaken | März | Ab Oktober | Frost erhöht den Zuckergehalt und verbessert den Geschmack – im Gewächshaus vor übermäßiger Nässe schützbar. |
Was das Gewächshaus im Winter leisten kann – und was nicht
Ein häufiges Missverständnis: Ein Kaltwarm- oder Folientunnel-Gewächshaus ist kein Heizhaus. Es schützt vor Wind, Regen, Schnee und mildert Frostspitzen ab – hält aber keine tropischen Temperaturen. Der Unterschied zu einem ungeschützten Freilandbeet liegt oft bei fünf bis zehn Grad, manchmal mehr, je nach Bauart und Dämmung.
Das reicht für eine erstaunlich breite Palette von Kulturen. Feldsalat, Winterportulak, Spinat, Winterkresse und Kräuter wie Petersilie oder Schnittlauch wachsen auch bei zwei bis vier Grad Celsius noch – langsam, aber stetig. Wer diese Sorten im Oktober ins Gewächshaus sät oder pflanzt, erntet von November bis in den März hinein.
Tomaten, Paprika oder Gurken hingegen funktionieren im unbeheizten Wintergewächshaus nicht. Sie brauchen Mindestnachttemperaturen von 12–15 Grad – das ist ohne Heizung im deutschen Winter nicht zu halten.
Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=HtuaG_bpmWg
Beheiztes vs. unbeheiztes Gewächshaus
Die Entscheidung, ob und wie viel geheizt wird, bestimmt die Anbaumöglichkeiten erheblich.
Im unbeheizten Gewächshaus lassen sich alle frostharten Sorten aus der Tabelle oben kultivieren. Das ist kein Kompromiss – es ist eine bewusste Entscheidung für einfaches, ressourcenschonendes Gärtnern. Die meisten winterharten Gemüsearten wachsen gut ohne Wärme; sie brauchen vor allem Schutz vor anhaltenden Minusgraden unter minus fünf bis minus acht Grad.
Im leicht beheizten Gewächshaus (5–10 Grad Nachttemperatur) erweitert sich die Palette: Asiasalate, Chicorée, junge Kohlpflanzen, Koriander und sogar empfindlichere Kräuter wie Basilikum halten sich länger. Das Wachstum ist merklich schneller als ohne Heizung. Die Energiekosten für eine schwache Frostschutzheizung halten sich bei guter Isolierung in Grenzen.
Im vollbeheizten Gewächshaus (ab 15 Grad) ist der Anbau von Tomaten, Paprika und anderen Wärmeliebenden möglich – aber energieintensiv und für Hobbygärtner meist unwirtschaftlich.

Kräuter im Wintergewächshaus
Kräuter sind die dankbarsten Gewächshaus-Winterbewohner. Petersilie übersteht Temperaturen bis minus zehn Grad – im Gewächshaus bleibt sie deutlich länger erntereif und verliert die Blätter nicht so schnell. Schnittlauch schläft im tiefen Winter weitgehend ein, treibt aber schon im Februar wieder aus. Thymian, Rosmarin und Salbei sind mediterrane Pflanzen, die Kälte gut vertragen und im Gewächshaus geschützt durch den Winter kommen.
Einzig Basilikum ist die große Ausnahme: Es hasst Kälte und stirbt bereits bei Temperaturen unter acht Grad ab. Wer Basilikum im Winter will, braucht ein beheiztes Gewächshaus oder eine Fensterbank.

Frühblüher: was ins Gewächshaus gehört und was nicht
Ein verbreiteter Irrtum ist die Vorstellung, Frühblüher wie Schneeglöckchen oder Winterlinge bräuchten ein Gewächshaus. Das Gegenteil ist wahr: Sie sind an Kälte angepasst und blühen im Freiland zuverlässiger als unter Glas. Was im Gewächshaus sinnvoll ist, sind die frostempfindlicheren Zierpflanzen:
| Pflanze | Blütezeit | Eignung für das Gewächshaus im Winter |
|---|---|---|
| Kamelien (Camellia japonica) | Oktober – März | Eignen sich für ein leicht beheiztes Gewächshaus, da sie frostempfindlich sind. |
| Christrose (Helleborus niger) | Dezember – März | Benötigt kein Gewächshaus, frosthart und ideal für den Garten. |
| Lenzrose (Helleborus orientalis) | Januar – Februar | Braucht kein Gewächshaus, robust gegen Kälte. |
| Schneeheide / Winterheide (Erica carnea) | November – April | Kein Gewächshaus nötig, wächst problemlos im Freiland. |
| Alpenveilchen (Cyclamen) | Januar – März | Eignet sich für ein beheiztes Gewächshaus, da empfindlich gegenüber Frost. |
| Schneeglöckchen (Galanthus) | Januar – Februar | Kein Gewächshaus nötig, frosthart und ideal für den Garten. |
| Winterling (Eranthis hyemalis) | Februar – März | Kein Gewächshaus nötig, gedeiht gut im Freiland. |
| Zaubernuss (Hamamelis) | Dezember – März | Kein Gewächshaus nötig, winterhart und robust im Garten. |
| Winterjasmin (Jasminum nudiflorum) | Dezember – März | Kein Gewächshaus nötig, frosthart und kletterfreudig im Freiland. |
| Dipladenia (Sundaville) | Wintermonate | Benötigt ein beheiztes Gewächshaus, da sie nicht frosthart ist. |
Pflege und Gewächshausmanagement im Winter
Ein Gewächshaus im Winter braucht andere Aufmerksamkeit als im Sommer. Die Hauptfehler passieren beim Gießen und Lüften.
Gießen
Im Winter gilt: deutlich weniger gießen. Pflanzen wachsen langsam, verdunsten wenig – zu feuchte Erde führt zu Wurzelfäule. Immer morgens gießen, damit die Pflanzen tagsüber abtrocknen. Am besten nicht kalt gießen; zimmerwarm ist schonender für die Wurzeln. Den Finger in die Erde stecken, bevor man gießt – wenn es zwei Zentimeter tief noch feucht ist, warten.
Lüften
Feuchte, stehende Luft ist der Hauptverursacher von Schimmel und Grauschimmel-Pilz (Botrytis) im Wintergewächshaus. An milderen Tagen – auch im Winter gibt es gelegentlich Stunden über zehn Grad – kurz lüften. Das bringt frische Luft herein und reduziert die Luftfeuchtigkeit. Kein Dauerlüften bei Minusgraden, aber gezielte kurze Öffnungen tun gut.
Beleuchtung
Zwischen November und Februar sind die Lichtverhältnisse in Deutschland für viele Pflanzen grenzwertig. Frosthartes Wintergemüse kommt damit klar – es wächst einfach langsam. Wer Voranzucht betreibt (z. B. Tomaten ab Februar) oder Kräuter aktiv halten will, kann mit LED-Pflanzenlampen nachhelfen. 12–14 Stunden Licht täglich genügen.

Isolierung
Doppelwandige Stegplatten oder Luftpolsterfolie an den Innenwänden reduzieren Wärmeverluste erheblich. Empfindlichere Pflanzen können zusätzlich mit Vlies abgedeckt werden – das schafft ein Mikroklima, das nochmals einige Grad wärmer ist als die Umgebungsluft. Für Töpfe gilt: auf Styroporplatten stellen statt direkt auf den Betonboden, der als Kälteleiter wirkt.
Pflanzanordnung und Raumnutzung
Hohes Gemüse – Grünkohl, Rosenkohl, Lauch – kommt an die Nordseite, damit es niedrigere Kulturen wie Feldsalat oder Kräuter nicht beschattet. Regale und Hängeampeln nutzen die Höhe. Töpfe auf Rolluntersetzern lassen sich je nach Lichteinfall umstellen. Wer gestaffelt aussät – alle zwei bis drei Wochen eine neue Reihe Feldsalat oder Spinat –, hat über den gesamten Winter hinweg Nachschub statt einer einzigen großen Ernte.

Wer sein Gewächshaus das ganze Jahr über nutzen möchte, findet im Beitrag Ganzjährige Ernte im Gemüsegarten eine umfassende Übersicht über Aussaat- und Erntezeiträume. Wer sich speziell mit dem unbeheizten Wintergewächshaus beschäftigt, findet im Beitrag Pflanzen im unbeheizten Gewächshaus überwintern weitere Details.
Ein Gewächshaus im Winter ist kein leerer Glaskasten, der auf den Frühling wartet. Es ist ein aktiver Anbauort – ruhiger als im Sommer, langsamer, aber produktiv. Feldsalat im Dezember, Petersilie im Januar, die ersten Radieschen im Februar: Das Gewächshaus verlängert die Freude am Gärtnern um Monate, ohne großen Aufwand zu fordern.
Häufige Fragen
Letzte Aktualisierung am 16.08.2026 / Affiliate Links* / Bilder* von der Amazon Product Advertising API, ebenso Artikelbeschreibungen und Preise - keine Gewähr / Platzierung nach Amazonverkaufsrang































